Obwohl es draußen im Moment nicht so gemütlich ist, gibt es
noch ein paar Vögel, die morgens aus vollem Hals singen.
Ein Vogel der aus vollem Hals singt, eine Blume, die blüht oder
Blätter, die fallen - alles geschieht letztendlich in tiefer Stille.
Der Hintergrund der Natur ist unergründlich. Die Natur ist auf
eine Art weise, unwissend und unschuldig gleichzeitig.
  Der Mensch ist weder weise noch unschuldig. Obwohl Teil der Natur,
wandelt sich im Menschen die Unwissenheit oder Unschuld in Täuschung.
Im Menschen wird die Täuschung zu etwas Berechnendem,
Selbstgerechten - der Mensch wird schlau. Er freut sich, wenn er
die Natur oder die anderen übers Ohr hauen kann. Er nimmt sich
selbst ziemlich wichtig.
  Zazen bedeutet eigentlich nur, dieses Selbstgerechte, Berechnende,
Schlaue, Sich-selbst-wichtig-Nehmende abfallen zu lassen.
Das ist Shinjin datsu raku. Wenn auf solche Weise Körper und
Geist abfallen, verbindet sich der Geist des Menschen von neuem
mit der großen Natur des Seins - Buddha.


Aus 'Augenblicke des Seins',

Kusen von L.Tenryu Tenbreul
am 21.10.2015