Der Fluss des So-Seins fließt beständig und scheint doch gleichzeitig
unbewegt. Die Jahreszeiten kommen und gehen, die Jahre scheinen
vorbeizuziehen. Der Körper wandelt sich und alles vergeht. Doch im Fluss
des So-Seins gibt es etwas, das unserem Denken nicht zugänglich ist,
etwas, dem wir uns anvertrauen können, selbst wenn wir es
nicht denken können.
Im Denken und in unserer Vorstellung bleibt von unserem Leben am
Ende nichts. Warum leben wir dann? Wir leben, weil das ganze
Universum lebt und sich als Fluss des So-Seins manifestiert. Und weil
unser Leben selbst Teil des So-Seins ist, kommt es weder irgendwo her
noch geht es irgendwo hin, obwohl es Augenblick für Augenblick vergeht.
Dieses Vergehen selbst ist etwas Ewiges, Ruhiges, Unerschütterliches.
Es ist die Quelle und die Wurzel aller Erscheinungsformen.
Sich dem gegenwärtigen Augenblick anzuvertrauen bedeutet, sich durch
den ganzen Körper, durch die Haltung dieser ruhigen, großen Dynamik
anzuvertrauen - dies ist Jetzt. Jetzt ist ruhig und weit, ohne Anfang noch
Ende. Wenn wir also sagen „Rückkehr zur Stille“, meint das Rückkehr
zum großen, ruhigen Leben - jenseits unseres Ich.

Aus dem Kusenheft "Im Strom der kosmischen Ordnung", 2019
von L.Tenryu Tenbreul